Die teure Illusion: Warum aktive Fonds oft wie Billigflieger sind

Was auf den ersten Blick günstig aussieht, kann sich schnell als kostspieliges Abenteuer entpuppen. Dieses Prinzip gilt nicht nur beim Fliegen mit Billig-Airlines, sondern auch beim Investieren in aktiv gemanagte Fonds. In beiden Fällen zeigt sich: Der beworbene Preis ist selten der wahre Preis.

Der Preis der kleinen Buchstaben

Europäische Billigfluglinien haben ein Geschäftsmodell perfektioniert, das Ökonomen als „verknüpfte Kosten“ bezeichnen – Zusatzgebühren, die erst sichtbar werden, wenn man sie nicht mehr umgehen kann. Ein Ticket von Wien nach Barcelona mag 9,99 Euro kosten, doch wer Gepäck aufgibt, einen festen Sitzplatz möchte oder einfach nur zurückfliegen will, zahlt am Ende das Drei- oder Vierfache.

Ähnlich verhält es sich mit aktiv verwalteten Fonds. Die offensichtliche Gebühr – meist zwischen 1 und 2 Prozent pro Jahr – ist nur der Anfang. Dahinter verstecken sich Handelskosten, Performancegebühren, Verwaltungsausgaben und manchmal auch steuerliche Effekte, die sich über Jahre summieren.

Wenn Handeln teuer wird

Aktive Fondsmanager leben davon, zu handeln – und genau das kostet. Nach Angaben der britischen Finanzaufsicht FCA liegt der durchschnittliche Portfolioumschlag aktiver Fonds zwischen 50 und 100 Prozent jährlich. Das heißt: Innerhalb eines Jahres werden oft sämtliche Positionen einmal komplett ausgetauscht. Jeder dieser Käufe und Verkäufe verursacht Transaktionskosten, die den Anlegern letztlich Rendite entziehen.

In Österreich etwa betragen laut Morningstar die Gesamtkostenquoten (TER) aktiver Aktienfonds im Schnitt 1,7 Prozent, während Indexfonds oder ETFs oft mit 0,2 bis 0,3 Prozent auskommen. Diese scheinbar kleine Differenz frisst auf lange Sicht einen beträchtlichen Teil der Erträge auf. Über 20 Jahre kann ein Kostenunterschied von 1,5 Prozentpunkten pro Jahr bei einer durchschnittlichen Marktrendite von 6 Prozent rund ein Viertel des Endvermögens vernichten.

Die bittere Wahrheit: Die meisten aktiven Fonds schlagen den Markt nicht

Das zentrale Versprechen aktiver Fonds lautet, besser zu sein als der Markt. Doch die Realität sieht anders aus. Laut der aktuellen SPIVA Europe-Studie 2024 (S&P Indices vs. Active) haben in Europa mehr als 85 Prozent der aktiv gemanagten Fonds ihren Vergleichsindex über zehn Jahre hinweg unterperformt – in Österreich und Deutschland liegt der Anteil sogar über 90 Prozent.

Die Hauptgründe sind bekannt: hohe Kosten, falsches Timing und die Schwierigkeit, systematisch die richtigen Titel zu wählen. Selbst Fonds, die einmal Spitzenleistungen zeigen, fallen langfristig meist wieder zurück – ein Phänomen, das Forscher als „Regression zum Mittelwert“ bezeichnen.

Die teuerste Kostenfalle: menschliches Verhalten

Doch die größten Verluste entstehen nicht im Fonds, sondern im Kopf. Verhaltensökonomische Studien zeigen, dass Anleger häufig emotional statt rational handeln. Steigende Kurse lösen Euphorie aus, fallende Kurse Angst – und beide Gefühle führen zu Fehlentscheidungen.

Der US-Finanzanalyst Dalbar analysierte 30 Jahre Anlegerverhalten und kam zu einem ernüchternden Ergebnis: Durchschnittliche Anleger erzielten jährlich rund zwei Prozentpunkte weniger Rendite als der Markt selbst – schlicht, weil sie zu spät einstiegen und zu früh ausstiegen. In einer Welt mit acht Prozent Marktrendite bedeutet das einen Verlust von rund einem Viertel des möglichen Ertrags.

Diese „Verhaltenskosten“ sind also oft teurer als jede Managementgebühr.

Wenn Gelassenheit zum Renditetreiber wird

Indexfonds – oder ETFs – bieten das Gegenmodell: weniger Aktionismus, geringere Kosten, mehr Ruhe. Sie bilden ganze Märkte ab und verzichten auf ständiges Umschichten. Dadurch bleiben Transaktionskosten niedrig, und das Portfolio folgt einer klaren, regelbasierten Logik.

Warren Buffett, der wohl bekannteste Investor der Welt, brachte es einst auf den Punkt: „Trägheit, die an Faulheit grenzt, ist eine Tugend beim Investieren.“ Diese Haltung erklärt, warum passive Strategien auf Dauer so erfolgreich sind – sie schützen Anleger vor sich selbst.

Zahlen stützen das: Laut einer Morningstar-Analyse von 2024 erzielten 80 Prozent der Anleger in globalen Indexfonds in den vergangenen zehn Jahren höhere Renditen als jene in aktiv verwalteten Fonds – und das bei deutlich geringerer Volatilität.

Der Preis der Kontrolle

Trotz aller Fakten hält sich der Glaube an die Überlegenheit des aktiven Managements hartnäckig. Das hat weniger mit Zahlen zu tun als mit Psychologie. Viele Anleger fühlen sich wohler, wenn „jemand auf ihr Geld aufpasst“. Doch Kontrolle ist nicht gleich Kompetenz – und sie ist teuer erkauft.

Wie beim Billigflug zeigt sich erst nach der Landung, was der eigentliche Preis war: Gebühren, Timingfehler, Steuern, Stress. Indexfonds sind dagegen wie ein Direktflug ohne Zwischenstopps – unspektakulär, aber verlässlich ans Ziel.

Fazit

Wer langfristig Vermögen aufbauen will, sollte weniger auf spektakuläre Renditeversprechen und mehr auf solide Struktur setzen. Die Kombination aus geringen Kosten, breiter Streuung und disziplinierter Passivität ist keine Notlösung, sondern die statistisch überlegene Strategie.

Aktives Management mag glamouröser klingen – am Ende aber fliegt man mit einem Billigticket, dessen versteckte Kosten erst beim Aussteigen sichtbar werden.