Die ernüchternde Wahrheit über aktive Fondsverwaltung

Die Finanzindustrie verspricht Anlegern seit Jahrzehnten Überrenditen durch aktives Management. Doch neue Daten zeichnen ein vernichtendes Bild: Nach 15 Jahren schaffen es nur etwa 10 Prozent aller aktiv verwalteten Large-Cap-Fonds in den USA, ihre Benchmark zu schlagen. Der Rest vernichtet systematisch Vermögen – trotz hochbezahlter Fondsmanager und aufwendiger Analyseabteilungen.

Die Zahlen lügen nicht

Die SPIVA-Studie (S&P Indices Versus Active) untersucht regelmäßig die Performance aktiv verwalteter Investmentfonds im Vergleich zu ihren jeweiligen Benchmarks. Die neuesten Daten per 31. Dezember 2024 für US-amerikanische Large-Cap-Fonds offenbaren ein systematisches Versagen:

Nach einem Jahr schneiden bereits 65,24 Prozent aller Large-Cap-Fonds schlechter ab als der S&P 500. Nur knapp ein Drittel gelingt eine Überperformance. Noch mag dies wie eine faire Chance aussehen.

Nach drei Jahren verschlechtert sich das Bild dramatisch: 84,96 Prozent der Fonds liegen zurück, lediglich 15,04 Prozent übertreffen den Index.

Nach fünf Jahren verbessert sich die Quote leicht auf 23,74 Prozent Outperformer – doch mehr als drei Viertel aller Fonds enttäuschen weiterhin.

Nach zehn Jahren sind es wieder 84,34 Prozent, die hinter der Benchmark zurückbleiben. Die Erfolgsquote sinkt auf 15,66 Prozent.

Nach 15 Jahren erreicht das Desaster seinen Höhepunkt: 89,50 Prozent aller aktiv verwalteten Large-Cap-Fonds schneiden schlechter ab als ein simpler Indexfonds. Die Chance, vorab einen Gewinner zu identifizieren, liegt bei etwa eins zu zehn.

Bei Betrachtungszeiträumen von 20 Jahren und mehr verschwindet die Outperformance praktisch vollständig. Nach Abzug aller Gebühren hat so gut wie kein Fonds seine Benchmark geschlagen.

Kein amerikanisches Phänomen

Die Vermutung liegt nahe, dass dies ein spezifisch amerikanisches Problem sein könnte – etwa aufgrund der hohen Effizienz der US-Märkte oder besonderer Wettbewerbsbedingungen. Doch SPIVA liefert vergleichbare Daten aus Europa, Japan, Kanada, Mexiko, Brasilien, Chile, dem Nahen Osten, Südafrika und Australien. Das Muster wiederholt sich überall: Die überwiegende Mehrheit aktiv verwalteter Fonds scheitert langfristig an ihrer Benchmark.

In Europa zeigt sich ein ähnliches Bild. Zwar variieren die genauen Prozentsätze je nach Marktsegment und Zeitraum, doch auch hier gilt: Über längere Zeiträume schaffen es nur wenige aktive Fonds, Indexfonds zu übertreffen. Für europäische Aktienfonds liegt die Underperformance-Quote über zehn Jahre regelmäßig bei über 80 Prozent.

Warum scheitern die Profis?

Die Gründe für dieses systematische Versagen sind vielschichtig, aber gut dokumentiert:

Gebühren als Hauptfaktor. Aktiv verwaltete Fonds verlangen typischerweise Verwaltungsgebühren zwischen 1,0 und 2,5 Prozent jährlich. Bei einem ETF auf den S&P 500 liegen die Kosten hingegen bei etwa 0,05 bis 0,20 Prozent. Diese Differenz mag gering erscheinen, doch über 15 Jahre summiert sich ein jährlicher Gebührenunterschied von nur 1,5 Prozentpunkten zu einer enormen Vermögensdifferenz.

Ein Rechenbeispiel: Bei einer Anlage von 100.000 Euro und einer jährlichen Marktrendite von sieben Prozent ergibt sich nach 15 Jahren bei 0,1 Prozent Gebühren ein Endvermögen von rund 273.000 Euro. Bei 1,6 Prozent Gebühren schrumpft dieser Betrag auf etwa 228.000 Euro – eine Differenz von 45.000 Euro oder 16 Prozent weniger Vermögen.

Transaktionskosten. Aktive Fondsmanager handeln häufig. Jeder Kauf und Verkauf verursacht Kosten: Spreads zwischen Kauf- und Verkaufspreis, Börsengebühren, Maklerprovisionen. Diese Transaktionskosten erscheinen nicht immer transparent in der Gebührenstruktur, schmälern aber die Rendite erheblich.

Die Effizienz der Märkte. An liquiden, gut erforschten Märkten wie dem für US-Large-Caps sind alle verfügbaren Informationen bereits in den Kursen eingepreist. Tausende Analysten weltweit durchforsten Quartalsberichte, bewerten Geschäftsmodelle und prognostizieren Entwicklungen. In diesem Wettbewerb eine konsistente Informationsvorsprung zu erzielen, gleicht der Suche nach der Nadel im Heuhaufen – nur dass Millionen anderer Menschen gleichzeitig nach derselben Nadel suchen.

Survivorship Bias verschleiert das wahre Ausmaß. Die SPIVA-Zahlen sind bereits bereinigt um den sogenannten Survivorship Bias, doch er verdient Erwähnung: Viele schlecht performende Fonds werden geschlossen oder mit anderen fusioniert. Sie verschwinden aus der Statistik. Würde man alle jemals gestarteten Fonds berücksichtigen, wäre das Bild noch düsterer.

Verhaltenspsychologie sabotiert Performance. Selbst talentierte Fondsmanager unterliegen psychologischen Verzerrungen. Der Druck, kurzfristige Ergebnisse zu liefern, führt zu suboptimalen Entscheidungen. Anleger ziehen Geld ab, wenn ein Fonds eine Durststrecke durchläuft, was Manager zwingt, in ungünstigen Momenten zu verkaufen.

Die europäische Perspektive: Aktives Management unter Druck

In Österreich und Deutschland genießen aktiv verwaltete Investmentfonds traditionell hohes Ansehen. Bankberater empfehlen sie als Kern der Altersvorsorge, und viele Anleger vertrauen auf die Expertise der Fondsmanager. Doch die Datenlage zwingt zu einem Umdenken.

Eine Studie des Forschungszentrums der Deutschen Bundesbank kam 2018 zu dem Schluss, dass deutsche Aktienfonds über einen Zeitraum von zehn Jahren im Durchschnitt etwa 1,5 Prozentpunkte pro Jahr schlechter abschnitten als ihre Benchmarks – ein Unterschied, der größtenteils auf Gebühren zurückzuführen ist.

In Österreich dominieren bei privaten Anlegern ebenfalls aktiv verwaltete Fonds. Die Oesterreichische Nationalbank veröffentlicht regelmäßig Daten zum Fondsvermögen, doch detaillierte Performance-Vergleiche analog zu SPIVA fehlen weitgehend. Die verfügbaren internationalen Daten legen jedoch nahe, dass österreichische Anleger mit ähnlichen Herausforderungen konfrontiert sind.

Die europäische Fondslandschaft ist zudem fragmentierter als die amerikanische. Viele Fonds konzentrieren sich auf spezifische Regionen oder Sektoren, was die Vergleichbarkeit erschwert. Dennoch gilt: Je länger der Anlagezeitraum, desto geringer die Wahrscheinlichkeit, dass aktives Management einen Mehrwert liefert.

Der Index als Fundament

Die Konsequenz aus diesen Daten ist nicht, dass jegliche Form aktiven Investierens sinnlos wäre. Doch sie zeigt unmissverständlich: Ein breit gestreuter Indexfonds sollte den Kern eines langfristigen Portfolios bilden.

Ein Indexfonds auf den MSCI World oder den S&P 500 bietet mehrere entscheidende Vorteile:

Breite Diversifikation. Ein einzelner ETF auf den MSCI World enthält über 1.500 Unternehmen aus 23 Industrieländern. Das Risiko einzelner Aktien oder Sektoren wird damit minimiert.

Minimale Kosten. Bei Gebühren von 0,10 bis 0,20 Prozent jährlich bleibt nahezu die gesamte Marktrendite beim Anleger.

Transparenz. Die Zusammensetzung eines Indexfonds ist jederzeit einsehbar. Es gibt keine versteckten Wetten oder intransparenten Strategien.

Steuerliche Effizienz. Indexfonds handeln seltener als aktive Fonds, was zu geringeren realisierten Kursgewinnen und damit niedrigeren Steuern führt.

Keine Notwendigkeit, Manager zu bewerten. Die Entscheidung für einen Indexfonds eliminiert das Problem, im Voraus erfolgreiche von erfolglosen Managern unterscheiden zu müssen – eine Aufgabe, die selbst Profis nicht zuverlässig gelingt.

Beta vor Alpha: Die grundlegende Lektion

In der Finanztheorie bezeichnet Beta die Marktrendite, die ein Anleger durch passives Investieren in einen Index erzielt. Alpha hingegen ist die Überrendite, die ein aktiver Manager durch geschickte Titelauswahl oder Markttiming generiert.

Die zentrale Erkenntnis lautet: Ein Portfolio kann keine Alpha-Rendite erzielen, wenn es nicht zunächst die Beta-Rendite sicherstellt. Wer nach Alpha jagt und dabei Beta opfert – etwa durch konzentrierte Wetten, hohe Kosten oder schlechtes Timing –, riskiert, am Ende schlechter dazustehen als ein passiver Investor.

Ein Beispiel: Angenommen, der Markt erzielt langfristig sieben Prozent Rendite pro Jahr (Beta). Ein aktiver Fondsmanager versucht, durch kluge Aktienauswahl zwei Prozent Überrendite (Alpha) zu generieren. Doch wenn die Gebühren und Transaktionskosten 1,5 Prozent betragen, bleibt nur 0,5 Prozent Alpha übrig – und das nur, wenn der Manager tatsächlich vor Kosten zwei Prozent Mehrwert schafft. Die SPIVA-Daten zeigen: Den meisten gelingt dies nicht.

Die Rolle aktiven Managements: Nische statt Norm

Bedeutet dies, dass aktives Management grundsätzlich wertlos ist? Nicht zwangsläufig. Es gibt Marktsegmente und Situationen, in denen aktive Ansätze sinnvoll sein können:

Ineffiziente Märkte. In weniger liquiden Segmenten – etwa bei Small-Cap-Aktien in Schwellenländern – ist die Informationseffizienz geringer. Hier haben spezialisierte Manager theoretisch bessere Chancen, Fehlbewertungen zu identifizieren. Doch auch hier gilt: Die Mehrheit scheitert.

Individuelle Anlageziele. Wer spezifische Präferenzen hat – etwa der Ausschluss bestimmter Branchen aus ethischen Gründen oder das Übergewichten nachhaltiger Unternehmen – kann auf aktive oder spezialisierte Fonds zurückgreifen. Doch dies sollte als bewusste Abweichung vom Kern-Portfolio verstanden werden, nicht als dessen Ersatz.

Risikomanagement. In extremen Marktphasen können manche aktiven Manager durch Defensive oder taktische Allokation Verluste begrenzen. Doch die Datenlage zeigt: Nur wenige schaffen dies konsistent, und die Kosten des Versuchs übersteigen oft den Nutzen.

Die verhaltenspsychologische Herausforderung

Eine der größten Hürden für Anleger ist psychologischer Natur. Ein Indexfonds fühlt sich passiv an, fast wie Untätigkeit. Die Vorstellung, dass ein hochbezahlter Experte aktiv um bessere Renditen kämpft, wirkt beruhigend. Doch diese emotionale Sicherheit ist trügerisch – und teuer.

Die Finanzindustrie lebt von dieser Psychologie. Aktive Fonds generieren deutlich höhere Gebühren als ETFs und ermöglichen es Banken und Vermögensverwaltern, ihre Expertise zu vermarkten. Es liegt nicht im Interesse der Branche, auf die Überlegenheit passiver Strategien hinzuweisen.

Hinzu kommt: Menschen neigen dazu, sich für schlauer als den Durchschnitt zu halten. Selbst angesichts erdrückender Statistiken glauben viele Anleger, sie könnten die zehn Prozent erfolgreicher Fonds im Voraus identifizieren. Doch selbst professionelle Fondsselektoren scheitern daran regelmäßig.

Praktische Konsequenzen für Anleger

Was bedeuten diese Erkenntnisse konkret für die Geldanlage?

Der Kern: Indexfonds. Ein oder zwei breit gestreute, kostengünstige Indexfonds sollten mindestens 70 bis 80 Prozent eines langfristigen Portfolios ausmachen. Für europäische Anleger bieten sich etwa der MSCI World, der MSCI All Country World Index oder eine Kombination aus entwickelten Märkten und Schwellenländern an.

Die Satelliten: Individuelle Präferenzen. Wer möchte, kann 10 bis 20 Prozent des Portfolios für aktive Strategien, Themenfonds oder Einzelaktien reservieren. Dies sollte jedoch als bewusste Spekulation verstanden werden, nicht als Kerninvestition.

Disziplin bei der Umsetzung. Entscheidend ist nicht nur die richtige Strategie, sondern deren konsequente Umsetzung. Regelmäßiges Nachkaufen (Cost-Average-Effekt), emotionale Disziplin in Crashphasen und langfristiges Denken sind wichtiger als die Suche nach dem perfekten Fondsmanager.

Kosten im Blick behalten. Jede Gebühr, jeder Spread, jede Transaktionskostenschmälert die Rendite. In einem Umfeld niedriger Realzinsen ist Kostenminimierung wichtiger denn je.

Der lange Atem gewinnt

Die SPIVA-Daten sind eine Erinnerung daran, dass Geldanlage kein Wettbewerb der Klügsten ist, sondern ein Rennen der Diszipliniertesten. Wer auf schlichte Indexfonds setzt, niedrige Kosten zahlt und langfristig investiert bleibt, schlägt über 15 Jahre neun von zehn professionellen Fondsmanagern.

Diese Erkenntnis mag nüchtern klingen, doch sie ist befreiend. Anleger müssen nicht mehr nach dem vermeintlich besten Fondsmanager suchen, keine Marktprognosen studieren und keine ausgeklügelten Timing-Strategien entwickeln. Stattdessen genügt es, die Marktrendite zu ernten – und darauf zu vertrauen, dass diese über Jahrzehnte hinweg beträchtlich ist.

Die Geschichte der Finanzmärkte zeigt: Trotz Crashs, Krisen und Crashs haben breit gestreute Aktienportfolios langfristig attraktive Renditen erzielt. Wer diese Rendite nicht durch unnötige Kosten und erfolglose Versuche der Überperformance schmälert, baut systematisch Vermögen auf.

Fazit: Demut vor den Daten

Die Zahlen sind eindeutig. Nach 15 Jahren liegt die Wahrscheinlichkeit, einen aktiv verwalteten Fonds gewählt zu haben, der seine Benchmark übertrifft, bei etwa eins zu zehn. Dieses Verhältnis sollte die Grundlage jeder Anlagestrategie bilden.

Für die überwiegende Mehrheit der Anleger bedeutet dies: Der Indexfonds ist nicht die zweitbeste Lösung nach dem Versagen, einen überlegenen aktiven Manager zu finden. Er ist die beste Lösung überhaupt. Nicht weil passive Strategien glamourös oder aufregend wären, sondern weil sie funktionieren – konsistent, zuverlässig und kostengünstig.

In einer Welt voller finanzieller Komplexität ist dies eine erfreulich einfache Wahrheit.